Die platonische Liebe: Hingabe ohne Körperlichkeit

Wer von Liebe spricht, meint meist auch Erotik. Manche Menschen aber sehen das völlig anders: Sie praktizieren eine nichtsexuelle Form der Liebe und finden darin durchaus ihre Erfüllung.

Wir leben in einer hypersexualisierten Zeit: Halb nackte Menschen zieren die Werbeplakate, Zeitungen geben Sextipps, und körperliche Attraktivität gilt als wichtige Maxime. Doch es gibt durchaus Menschen, die sich der Sexualisierung verweigern. So kommt es vor, dass sich zwischen Mann und Frau (oder je nach Veranlagung zwischen zwei Männern bzw. zwei Frauen) eine tiefe und innige Freundschaft entwickelt, ohne dass es hierbei zu sexuellen Aktivitäten kommt. Diese nichtkörperliche, auf rein seelischer Zuneigung basierende Beziehung wird als Platonische bezeichnet. Benannt ist dieses Konzept nach dem altgriechischen Philosophen Platon, der um 400 v. Chr. lebte und Seelenverwandtschaft sowie innige Verbundenheit strikt von der erotischen Liebe abgrenzte.

Im weiteren Sinne findet dieser Begriff auf alle Formen der nicht sexuellen Liebe Anwendung. Die Liebe zwischen Eltern und Kindern kann ebenso als platonisch bezeichnet werden wie die zwischen Geschwistern. Im engeren Sinne gilt als platonische Beziehung aber jenes Zusammensein, in dem Sexualität möglich und auch erlaubt ist, aber nicht stattfindet. Die Nähe zwischen zwei platonisch Liebenden geht dabei weit über das hinaus, was in einer bloßen Freundschaft stattfindet. Doch die Abgrenzung zwischen Freunden einerseits und platonisch Liebenden andererseits ist nicht immer klar zu erkennen. Eifersucht kann hier ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal sein. Wenn zwei Menschen sehr viel miteinander unternehmen, bei getrennten Aktivitäten aber Eifersucht empfinden oder sich vernachlässigt fühlen, spricht viel für das Vorliegen einer platonischen Beziehung.

Eine weitere Spielart kann die unerwiderte Liebe sein: Ein Mensch verehrt einen anderen, doch seine Zuneigung trifft nicht auf Gegenliebe. Daneben gibt es auch die unfreiwillige Form der nicht sexuellen Liebe. Diese liegt vor, wenn körperliche Einschränkungen das Vollziehen des Liebesaktes unmöglich machen. Zu betonen ist, dass die platonisch gelebte Liebe keinesfalls eine mindere Form der Liebe ist. Wer sich bewusst dafür entscheidet, ohne körperliches Begehren zu lieben, findet darin seine Erfüllung.